Das Wesen schwieriger Entscheide

Besser? Schlechter? Gleichwertig? Ebenbürtig?

Oft werden wir in Beratungsgesprächen um Unterstützung bei Entscheidungsfragen gebeten. Der Themenkreis im out&in dreht sich natürlich um den Beruf:

Wohin soll meine berufliche Reise gehen? Eher in die fachliche Vertiefung oder vielleicht doch eher in die Führungsetage? Soll ich mein juristisches Knowhow vertiefen oder doch wieder in der Pflegeexpertise arbeiten? Und ach ja! Ich war ja mal Buchhändlerin, das könnte ich auch wieder aufnehmen... Oder sollte ich mich doch eher in die Selbständigkeit wagen? Wähle ich Sicherheit oder Freiheit?

Sie sehen, dies sind keine der Alltagsentscheide, die wir ständig und nebenbei bewältigen. Hier geht es um die sogenannt „schwierigen“ Entscheide. Diese können quälend sein. Aber nur deshalb, weil wir sie falsch angehen, meint die Philosophin Ruth Chang. Sie sagt, bei diesen Entscheiden kann man nicht in Kategorien von „besser“ oder „schlechter“ denken – die Alternativen dieser Entscheide sind ebenbürtig. Dies führt dazu, dass diese Entscheide als schwierig empfunden werden. Dies führt auch dazu, dass alle Vergleichslisten scheitern und unnötigen Energieaufwand bedeuten.

Oft stehen zwei Alternativen – auch wenn sie qualitativ sehr unterschiedlich sind - im gleichen Wertebereich, beides sind verheissungsvolle und machbare Optionen. Hier gibt keine beste Antwort, kein „richtig“ oder „falsch“. Mit unserer Entscheidung verpflichten wir uns einer der beiden Alternativen, dies möglichst ohne Erwartungsdruck von aussen. Die „schwierige“ Entscheidung öffnet einen Raum, in dem wir unser Leben gestalten, in dem wir uns selbst Gründe geben, die eine Sache einer anderen vorzuziehen. Damit – und das ist die wundervolle Möglichkeit - formen wir uns und unser Leben und entscheiden letztlich, wer wir sein wollen.

Sehen Sie hier Ruth Changs ist Vortrag

Ines